breakfast


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turm.falke

.versuche mich an kurzgeschichten.

du legst ganz leicht zwei finger auf meine lippen und lächelst meinen ärger fort und sagst komm. komm mit, ich muss dir etwas zeigen. und dann nimmst du die finger von meinen lippen und streichst mir über die wange und den hals entlang zum schlüsselbein und dann ziehst du die hand zurück, als müsstest du dich selbst daran erinnern, dass du etwas vorhast. du reißt dich von meiner warmen haut fort und drehst dich weg, packst mit deiner hand mein handgelenk, da wo der pullover deine haut von meiner trennt, als könnte ich dich sonst verbrennen.

du gehst schneller, viel schneller als ich und für jeden deiner schritte mache ich zweidreiviertel schritte, ich zähle deine schritte mit, denn sie sind mir mein takt. vierzehn, fünfzehn, sechszehn, wo gehen wir hin, frage ich leise, aber du ziehst mich nur weiter und schüttelst den kopf. sag mir, wo wir hingehen, flehe ich und klinge wie ein quängelndes kind.

sind wir schon im morgen? ich sehe an deinen bebenden schultern, dass du lachst und ich höre dein lachen viel leiser. neunundzwanzig, dreißig, einunddreißig, du ziehst mich weiter, aber deine hand hat sich entspannt und ist vom handgelenk zur hand gewandert, jetzt schiebst du langsam deine finger zwischen meine und ich genieße das so, das fühlt sich an wie warmer sonnenschein und sand und wie ein schöner stein und ich schließe die augen und gehe dir einfach blind hinterher, du weißt ja, was du tust, flüstere ich und ich weiß nicht, ob du dich umdrehst oder etwas sagst, denn all mein denken ist in meiner hand, die deinen puls erforscht und jede einzelne furche deines fingers, die tiefer als jeder mondkrater erscheint. vierundsechzig, fünfundsechzig, sechsundsechzig, ich kann nicht aufhören zu zählen. und du fängst an zu laufen.

flieg mit mir durch die morgenröte, ich weiß nicht, ob ich das sage oder nur denke, deine hand lässt mich das nicht erahnen, meine augen sind geschlossen und nur daran, dass mein zählen immer rasender wird, merke ich, wie schnell wir laufen, nochimmer zweidreiviertel schritte für jeden deiner sätze, laufen wir über sand oder stein oder gras oder wolken, rufe ich in den wind und meine einzige antwort ist dein leiser händedruck. siebenundneunzig, achtundneunzig, neunundneunzig.

obwohl du unwillkürlich stehen bleibst, merke ich früh genug, dass ich nicht weiterlaufen darf. ich hatte recht, ich hatte die ganze zeit recht. du lässt meine hand los, nur um deine arme um meinen körper zu legen, deine hände um meinen kopf, um ihn an deine brust zu halten, damit ich deinem hastigen herz lauschen kann, das sich fast überschlägt, in dem bemühen, so schnell wie möglich seinem eigenen rhythmus hinterher zu stolpern. ich kann mich nicht satthören an dir. du legst dein ohr an meinen hals, meine halsschlagader schlägt dir entgegen und mein puls versinkt in deinem, ich bin dir zweidreiviertel schläge voraus.

du hast mir dein leben gezeigt, murmle ich leise an dein herz und dein körper bebt vor dem leisen lachen. dein atem geht schneller als sonst, kitzelt mich sanft an der zarten haut, die dich von meinem puls trennt, als du ganz klein sagst, dass das alles ist, was du mir zu bieten hast.

da lacht mein herzschlag und deine lippen wachen auf. hundert.

 

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